Josefa

als Pilgernde unterwegs

Josefa Britzelmaier-Nann ist Pastoralreferentin und war insgesamt 40 Jahre im Dienst der Diözese Augsburg und davon 35 Jahre als Klinikseelsorgerin tätig.

Im Sommer 2021 beendete sie ihre bezahlte Arbeit mit einem Sabatical bevor sie dann in Ruhestand ging. Diese Zeit „nach dem Arbeitsleben“ nutzte Josefa für sich und entdeckte das Pilgern.

Hier einiges aus ihrem reichhaltigen Erfahrungsschatz aus ihren Pilgerwegen:

Meine Beweggründe zum Pilgern

Der Gedanke von Kirche als das pilgernde Volk Gottes, als Kirche auf dem Weg, die nichts Statisches und Fertiges hat, sondern als Unvollkommene unterwegs zu den Menschen ist, hat mir schon immer gut gefallen.

Meine ältere Schwester ist den Jakobsweg zu Beginn ihrer Rentenzeit gegangen, das war mir Ansporn und Herausforderung im Sinne von: „was die macht, das kann und will ich auch!“

Drei Tage nach meiner Verabschiedung aus dem Beruf bin ich losgegangen, ich wollte nicht zu Hause sitzen und warten was passiert, wenn ich nicht mehr arbeite, auch dachte ich, dass ich nach mehr als 35 Jahre in der Klinikseelsorge Einiges zu verarbeiten hätte.

Und ich wandere einfach gerne.

Die Vorbereitungen für den Weg:

Meinen Erfahrungen nach braucht es

  1. Informationen sammeln zum Weg, den man gehen möchte, im Internet Apps suchen, oder Reiseliteratur besorgen, und natürlich den Pilgerausweis bestellen, er ist deine Eintrittskarte in die Herbergen.
  2. Gute Schuhe kaufen, denn sie sind deine besten Freunde, sie sind dir Halt und Stütze, sind der Boden auf dem du gehst.
  3. Den Rucksack habe ich mir von den Kollegen zum Abschied schenken lassen, gepackt mit vielen guten Wünschen, die mir den Rücken stärken sollen. Dann beginnt das Abwiegen des Gepäcks, den Rat, dass der Rucksack nicht schwerer als 10% des eigenen Gewichts sein sollte, habe ich ernst genommen, und das war auch gut so.
  4. Mir war von Anfang an klar, dass ich alleine gehen werde, ich wollte Abstand finden, mich selbst ausprobieren, zu mir finden, mich auf die Begegnungen auf dem Weg einlassen. Ich hatte nie Angst, dass mir das nicht gelingen würde, Gottvertrauen gehört zu meiner Grundausrüstung.
  5. Ein wichtiger Verbündeter wurde mir mein Tagebuch, auch im Nachhinein ist es ein großer Schatz nachlesen zu können, was mich bewegt hat und was mir alles widerfahren ist.

Die Wege

 Der Jakobsweg zum Bodensee   

Von der Haustüre in Augsburg bis nach Nonnenhorn ging ich 192 km in 12 Tagen. Es war eine neue Erfahrung der Entschleunigung, die vertraute Strecke und Landschaft quasi im Schneckentempo zu erleben. Nie mehr werde ich diese Erfahrung vergessen, dass man für eine Autofahrt von 20 min. einen ganzen Tag zu Fuß sich abmühen muss.  

Der typische Anfängerfehler ist mir auch passiert: der Rucksack ist einfach zu schwer, zu viel Gepäck! In Wörishofen habe ich dann ein Päckchen zurückgelassen mit zusätzlichem Handtuch, T Shirt und Schuhputzzeug.  

 Der Franziskusweg in Italien von La Verna nach Assisi  

Ich hatte von diesem Weg gehört und wollte meine franziskanischen Wurzeln ergründen, mich mit dem Leben des poverello beschäftigen, der Einfachheit und Radikalität des Hl. Franz von Assisi nachspüren. Und ich war schon immer fasziniert von der Landschaft der Toskana und Umbriens. Die 10 Tage und 195 km brachten mich auch an meine Grenzen, die Berge waren hoch, im September war es noch heiß, und corona bedingt waren einige Unterkünfte geschlossen. Aber wunderbare Begegnungen mit Mitpilgernden und die Ankunft am Ziel, der Stolz und die Dankbarkeit diese Strecke geschafft zu haben, machten mich einfach nur glücklich.  

 Auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela  

Im Frühjahr 2022 begab ich mich auf den caminho portugues ab Porto. Ich wollte am Atlantik entlang gehen, ich genoss eine wunderschöne Strecke, mit wenig Berge, pilgern darf auch Spaß machen, ich pilgere ja nicht zur Buße. Und wieder waren es die Begegnungen mit besonderen Menschen wie die jungen Polizistinnen aus Bremen, der Dermatologe aus Wien oder Willi aus Lübeck, die den Weg so abwechslungsreich und anziehend machen. Mal blieb ich in einer Herberge mit Schlafsaal, mal in einem einfachen Hotel oder Pension, wenn mir nach mehr Ruhe war.   

Santiago zu erleben mit den vielen PilgerInnen, die aus allen Richtungen ankommen ist etwas Besonderes. Die Gruppe der pilgernden blinden Menschen mit ihren Hunden in der Kathedrale werde ich nie vergessen, ein Erlebnis, das unter die Haut geht, vielleicht ist es das, was man auf dem Weg sucht.  

 Der Igantiusweg von Loyola nach Manresa in Nordspanien  

Ignatianische Spiritualität habe ich bei meinem Theologiestudium kennengelernt, sie hat mich mein Leben lang begleitet und geleitet. Im Herbst 2022 begab ich mich auf die Spur dieses Menschen als ich von dem Ignatiusweg erfahren habe. Ich hatte offengelassen, wie lange ich für die Strecke von 680 km vom Atlantik zum Mittelmeer brauchen werde.  

Es ist ein anspruchsvoller Weg, die ersten beiden Wochen war ich alleine unterwegs, ohne Mitpilgernde zu treffen, es war wie Einzelexerzitien, mir fehlte der Austausch und das Zusammensein am Abend in der Herberge. So habe ich einige besonders einsame Strecken mit Bahn und Bus bewältigt, bis ich endlich einen Menschen traf, der den gleichen Weg ging. Letztendlich habe ich in 3 Wochen ca. 330 km bewältigt.  

Fazit

Das Glücksgefühl am Ziel des Pilgerns angekommen zu sein, an einem ganz besonderen Ort, oder die Be-geh-gnungen auf dem Weg, das Verbunden sein mit der Natur oder jeden Moment gegenwärtig zu leben, was mehr überwogen hat, das kann ich nicht sagen. Wahrscheinlich ist es die Summe all dessen, was die Faszination als Pilgernde unterwegs zu sein ausmacht.  

Ich war nun viel auf den Spuren heiliger Männer unterwegs, meine weiteren Wege werden mich zu Orten heiliger Frauen führen.  

Josefa Britzelmeier-Nann ist Pastoralreferentin und war insgesamt 40 Jahre im Dienst der Diözese Augsburg und davon 35 Jahre als Klinikseelsorgerin tätig.

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